Ich nehme den
Anruf entgegen und antworte mit meinem Namen:
„Kelly.“
Wenn ich meinen Namen höre, muss ich jedes Mal einen Brechreiz unterdrücken. Mein Name ist grausam und schmutzig. Genau so schmutzig wie mein Geld, das ich verdiene.
„Ich möchte eine halbe Stunde.“, stellt der Anrufer mit rauchiger Stimme klar.
Nicht einmal einen Namen wird genannt.
Es verwundert mich nach all den Jahren nicht mehr. Meine Kunden möchten lieber anonym bleiben. Die Schande über sie wäre sonst zu gross. Die Demütigung ist nicht erträglich.
Müde gebe ich ihm Zeit und Zimmernummer bekannt. Ohne ein weiteres Mal diese rauchige Stimme zu hören, ist das Gespräch beendet.
Den Schein bewahren. Scheinbar…
Ich habe noch 20 Minuten um mich darauf vorzubereiten. Die Bettwäsche ist aus gewechselt und die Kerzen sind angezündet.
„Für was mach ich das eigentlich alles? Und warum stehe ich eigentlich noch hier? Warum bin ich nicht schon längst durch diese makabere Tür gerannt. Irgendwo hin. Ganz weit weg von diesem schrecklichen Ort. Das ist doch alles scheisse hier!“
Ich ignoriere das Kribbeln in meiner Nase.
Ich will jetzt nicht weinen.
Es wäre nur ein unseriöser Eindruck, wenn ich mit verquollenen Augen die Tür öffnen würde.
Den Schein bewahren. Scheinbar…
Müde stehe ich meinem Spiegelbild gegenüber, erblicke jeden Zentimeter meines ach so begehrten Körpers. Wie ich ihn hasse.
Die Spitze pickt mich in den Hintern. Der Verschluss meines BHs ramscht an meiner Haut. Immer und immer wieder. Meine Haare sind voller Volumen, doch die Kopfhaut juckt. Und dieses Gesicht. Eine einzige grosse Lüge spiegelt sich in ihm wider. Und dann blicke ich mir ohne Zögern direkt in die Augen. Sie sehen so müde und erschöpft aus. Das Licht ist schon fast erloschen.
„Verdammt, schau dich an! Du bist ein einziger grosser Schein! Wo steckst du Kelly? Nicht mehr lange und all dein Glanz in deinen Augen wird erloschen sein! Wie viele Männer hast du schon mit diesen Händen berührt?“
Angewidert von mir selbst drehe ich meinem Spiegelbild den Rücken zu.
An der Zimmertür klopft es zaghaft.
„Atme noch einmal tief durch und bringe es wieder einmal hinter dich.“
Den Schein bewahren. Scheinbar…
Mit einem Ruck öffne ich die Tür und da steht er. Nervös schaut er nach rechts und links. Die Hände ringen mit sich, doch die Lust in seinen Augen ist nicht zu übersehen. Jetzt ist es meine Aufgabe ihn mit erotischer und rauchiger Stimme zu entspannen.
„Komm rein, wir sind ganz für uns alleine.“
Ohne, dass er einen Ton von sich gibt, setzt er sich auf das Bett und zieht sein Shirt über den Kopf. Das ist also mein Kunde, denke ich und blicke verachten in den Spiegel. Versuche den Ekel zu unterrücken und flüstere ganz leise für mich: „30 Minuten, das schaffst du.“
„Komm endlich, ich will nicht noch länger warten!“
Seine Stimme reisst mich aus meiner Starre. Da liegt er. Nackt und voller Lust, doch ich kann mich nicht bewegen.
Ich will nicht!
„Verdammt komm endlich! Ich bezahle dich nicht fürs Rumstehen.“
Trotz seiner Wut und Ungeduld drehe ich mich ruhig um und blicke mir wieder in die Augen.
Mach das nicht, du hast es nicht verdient.
200 Franken.
Die Jahre sind gezählt.
200 Franken.
Mach dich nicht noch mehr kaputt.
200 Franken.
Nein!
200 Franken.
Nein!
200 Franken.
„Kelly.“
Wenn ich meinen Namen höre, muss ich jedes Mal einen Brechreiz unterdrücken. Mein Name ist grausam und schmutzig. Genau so schmutzig wie mein Geld, das ich verdiene.
„Ich möchte eine halbe Stunde.“, stellt der Anrufer mit rauchiger Stimme klar.
Nicht einmal einen Namen wird genannt.
Es verwundert mich nach all den Jahren nicht mehr. Meine Kunden möchten lieber anonym bleiben. Die Schande über sie wäre sonst zu gross. Die Demütigung ist nicht erträglich.
Müde gebe ich ihm Zeit und Zimmernummer bekannt. Ohne ein weiteres Mal diese rauchige Stimme zu hören, ist das Gespräch beendet.
Den Schein bewahren. Scheinbar…
Ich habe noch 20 Minuten um mich darauf vorzubereiten. Die Bettwäsche ist aus gewechselt und die Kerzen sind angezündet.
„Für was mach ich das eigentlich alles? Und warum stehe ich eigentlich noch hier? Warum bin ich nicht schon längst durch diese makabere Tür gerannt. Irgendwo hin. Ganz weit weg von diesem schrecklichen Ort. Das ist doch alles scheisse hier!“
Ich ignoriere das Kribbeln in meiner Nase.
Ich will jetzt nicht weinen.
Es wäre nur ein unseriöser Eindruck, wenn ich mit verquollenen Augen die Tür öffnen würde.
Den Schein bewahren. Scheinbar…
Müde stehe ich meinem Spiegelbild gegenüber, erblicke jeden Zentimeter meines ach so begehrten Körpers. Wie ich ihn hasse.
Die Spitze pickt mich in den Hintern. Der Verschluss meines BHs ramscht an meiner Haut. Immer und immer wieder. Meine Haare sind voller Volumen, doch die Kopfhaut juckt. Und dieses Gesicht. Eine einzige grosse Lüge spiegelt sich in ihm wider. Und dann blicke ich mir ohne Zögern direkt in die Augen. Sie sehen so müde und erschöpft aus. Das Licht ist schon fast erloschen.
„Verdammt, schau dich an! Du bist ein einziger grosser Schein! Wo steckst du Kelly? Nicht mehr lange und all dein Glanz in deinen Augen wird erloschen sein! Wie viele Männer hast du schon mit diesen Händen berührt?“
Angewidert von mir selbst drehe ich meinem Spiegelbild den Rücken zu.
An der Zimmertür klopft es zaghaft.
„Atme noch einmal tief durch und bringe es wieder einmal hinter dich.“
Den Schein bewahren. Scheinbar…
Mit einem Ruck öffne ich die Tür und da steht er. Nervös schaut er nach rechts und links. Die Hände ringen mit sich, doch die Lust in seinen Augen ist nicht zu übersehen. Jetzt ist es meine Aufgabe ihn mit erotischer und rauchiger Stimme zu entspannen.
„Komm rein, wir sind ganz für uns alleine.“
Ohne, dass er einen Ton von sich gibt, setzt er sich auf das Bett und zieht sein Shirt über den Kopf. Das ist also mein Kunde, denke ich und blicke verachten in den Spiegel. Versuche den Ekel zu unterrücken und flüstere ganz leise für mich: „30 Minuten, das schaffst du.“
„Komm endlich, ich will nicht noch länger warten!“
Seine Stimme reisst mich aus meiner Starre. Da liegt er. Nackt und voller Lust, doch ich kann mich nicht bewegen.
Ich will nicht!
„Verdammt komm endlich! Ich bezahle dich nicht fürs Rumstehen.“
Trotz seiner Wut und Ungeduld drehe ich mich ruhig um und blicke mir wieder in die Augen.
Mach das nicht, du hast es nicht verdient.
200 Franken.
Die Jahre sind gezählt.
200 Franken.
Mach dich nicht noch mehr kaputt.
200 Franken.
Nein!
200 Franken.
Nein!
200 Franken.
Bitte
nicht…
„Jetzt komm“, bellt der Kerl durch den ganzen Raum.
„Du bist nichts! Nichts wert, also mach deine Arbeit!“
Noch nie habe ich diese Ruhe in mir gespürt, noch nie war ich meiner Entscheidung so sicher.
Den Schein bewahren. Scheinbar… Vergiss es!
Ich drehe den Kopf Richtung Bett und spreche ganz ruhig:
„Mach es dir doch selbst. Ich gehe jetzt.“
Ich stürze aus der heruntergekommenen Tür und renne immer schneller. Hinaus in die dunkle Nacht. Die stechende Kälte weckt mich aus der Starre der letzen Jahre.
Den Schein bewahren. Scheinbar… Nein, ich nicht mehr!
„Jetzt komm“, bellt der Kerl durch den ganzen Raum.
„Du bist nichts! Nichts wert, also mach deine Arbeit!“
Noch nie habe ich diese Ruhe in mir gespürt, noch nie war ich meiner Entscheidung so sicher.
Den Schein bewahren. Scheinbar… Vergiss es!
Ich drehe den Kopf Richtung Bett und spreche ganz ruhig:
„Mach es dir doch selbst. Ich gehe jetzt.“
Ich stürze aus der heruntergekommenen Tür und renne immer schneller. Hinaus in die dunkle Nacht. Die stechende Kälte weckt mich aus der Starre der letzen Jahre.
Den Schein bewahren. Scheinbar… Nein, ich nicht mehr!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen